Rosenheimer Forum
für Städtebau und Umweltfragen e.V.

Inhalt

Ausbau Kufsteiner Strasse – wie den Verkehr planen?

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Bürgerbeteiligung

Rosenheim muss Mitwirkungsmöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger bei der Stadtentwicklung schaffen. Dazu hat das Rosenheimer Forum Vorschläge vorgestellt. Bürgerbeteiligung

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Eine Stadtplanung für die Zukunft

Das Rosenheimer Forum hat seine Vorstellungen für ein Leitbild der Entwicklung Rosenheims formuliert. Leitbild Stadtentwicklung

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Einkaufzentrum „Baywawiese“ Kaltwies/Happing

Januar 2014

Im Rahmen der frühzeitigen Behördenbeteiligung nimmt das Rosenheimer Forum für Städtebau und Umweltfragen wie folgt zum Vorhaben Stellung:

Das Rosenheimer Forum für Städtebau und Umweltfragen wendet sich entschieden gegen den Vorentwurf für den Bebauungsplan 26a „Miesbacher Straße / Kufsteiner Straße (B15)“. Für die so genannte Baywa-Wiese wurden seit vielen Jahren die unterschiedlichsten Nutzungen verfolgt, so dass sich der Eindruck einer Ziellosigkeit ergibt, der jedwede Nutzung recht ist. Die jetzt vorgelegte Planung orientiert sich offenbar weder an Bürgerinteressen noch an einer stadtteilorientierten Stadtentwicklung, sie kombiniert Nutzungsarten in nicht nachvollziehbarer Weise, zerstört die letzten Reste einer historischen Grünzäsur, verdrängt die nicht gelöste Verkehrsproblematik und nimmt keinerlei Bezug auf das in Arbeit befindliche Stadtentwicklungskonzept.

Stadtteilentwicklung

In Kaltwies hat sich ein Stadtteilzentrum gehalten und entwickelt, das vielen Menschen, auch Älteren, in diesem Bereich Güter und Dienstleistungen für den Alltag auf kurzen Wegen bietet, fußläufig oder mit dem Fahrrad erreichbar. Erst in den 80er Jahren wurde ein Gebäude errichtet, in dem neben Wohnungen auch Räume für eine echte Nahversorgung realisiert wurden. Um dieses Gebäude herum, Ecke Happinger Straße / Traberhofstraße, finden sich ein Metzger, ein Bäcker, ein Gemüse- und Getränkehändler, eine Apotheke, ein Blumenladen, zwei Kreditinstitute, ein Arzt, ein Zahnarzt, ein Tierarzt, ein Friseur, eine Fahrschule und ein Restaurant. Im Sommer hat ein Lebensmittelladen aufgegeben, evtl. auch deshalb, weil in letzter Zeit eine zusätzliche Konkurrenz von der Baywa-Wiese her und damit ein zu hohes unternehmerisches Risiko drohten. Mit der jetzt vorgelegten Planung wird die Konkurrenz zum Stadtteil-Zentrum verstärkt: Die Chancen, im jetzigen Leerstand einen anderen Lebensmittelladen anzusiedeln, werden entscheidend gemindert, wenn in nächster Nachbarschaft eine Konkurrenz entsteht, die nicht nur einen Discounter sondern auch einen Drogeriemarkt und als „kleinteilige Ergänzungen“ voraussichtlich auch noch einen Bäcker und einen Metzger umfasst. Der Planungsentwurf ist für die Menschen im Stadtteil Kaltwies äußerst negativ. Die Planung gefährdet die positiven Errungenschaften der letzten Jahrzehnte.

Die vorliegende Planung nimmt die Erfahrungen der letzten Jahre nicht zur Kenntnis, wonach der Verlust eines „Ankerbetriebs“, wie es ein Lebensmittelgeschäft ist, die Lebensqualität von Stadtteilen mindert und eine Abwärtsspirale auslösen kann, die nach und nach zum Verlust weiterer Güter- und Dienstleistungsangebote im Stadtteil führt. Die Evaluation von „Soziale Stadt“-Projekten hat für Bayern wie für Deutschland insgesamt ergeben, dass solche Entwicklungsdynamiken in 80 % der geförderten Gebiete eine entscheidende Ursache für den Sanierungsbedarf waren. In Kaltwies wurden in den letzten Jahren öffentliche Gelder von Bund, Land und Stadt in Millionenhöhe eingesetzt, um den Stadtteil zu stabilisieren und aufzuwerten. Mit der jetzigen Planung werden die unbestreitbaren Erfolge des „Soziale Stadt“-Projekts in Kaltwies gefährdet und vermutlich weitgehend zunichte gemacht. Dies ist unverständlich und ärgerlich, weil es nicht nur die bisherigen Planungserfolge konterkariert, sondern auch die Wirksamkeit von Fördermitteln untergräbt. Haushaltsdisziplin zeigt sich auch in der Effektivität von Programmen. Es wäre deshalb darauf hinzuwirken, dass die Erfolge der „Sozialen Stadt“ gefestigt werden und im jetzigen Leerstand Happinger Straße / Traberhofstraße ein neues Lebensmittelgeschäft entsteht, das für das Stadtteilzentrum stabilisierend wirkt. Mit den neuen Nutzungen auf der so genannten Baywa-Wiese wird das jedoch untergraben.

Ein Hotel, ein Drogeriemarkt oder ein (Hard-)Discounter zielen nach anerkannten Planungsgrundsätzen genuin nicht auf die Nahversorgung, sondern auf das Abschöpfen der überörtlichen Kaufkraft. Die Qualität der Nahversorgung wird hiermit der Maximierung privater Umsätze durch Abschöpfen von Pendler-Kaufkraft geopfert.

Es wäre bei der Obersten Baubehörde zu erkunden, ob mit der vorgelegten Planung nicht die Rückzahlung von erhaltenen Fördermitteln verbunden sein kann. Auch wenn das vermutlich nicht der Fall ist, muss man konstatieren, dass es aus Steuerzahlersicht angebracht wäre.

Zufallsnutzungen

Unverständlich ist das unvermittelte Nebeneinander von Sondergebiet, Gewerbegebiet und Wohngebiet. Insbesondere die Einstreuung des kleinen Gewerbegebiets ist fragwürdig: Wenn ein Wohngebiet im Süden direkt neben der Ausfallstraße möglich erscheint – offenbar weil ein zunehmender Wohnraummangel für Rosenheim prognostiziert wird – dann sollten auch die übrigen Flächen der Wohnungsversorgung dienen und nicht einem eingestreuten Gewerberiegel zur Verfügung gestellt werden, für den es keinen Bedarf gibt: Gegenüber, nordöstlich der Kreuzung Miesbacher Str. / Kufsteiner Str. befindet sich eine Reihe von Gewerbeimmobilien, die seit längerer Zeit immer wieder ungenutzt sind. Die geplante Wohnnutzung wird nach der vorliegenden Planung nicht nur den Immissionen durch die Kufsteiner Str., sondern auch den vom (überflüssigen) Einkaufszentrum ausgehenden Emissionen ausgesetzt. Wenn schon wertvolle Naturräume zerstört werden sollen, dann sollte die Nachfolgenutzung nicht noch zusätzliche Belastungen für die Bewohner bringen.

Historische Grünzäsur

Das neue Baufeld greift massiv in die noch vorhandene ursprüngliche Kaltenaue ein. Die Mühle, die bislang als historisches Denkmal in eine entsprechende Landschaft eingestellt ist, verliert ihren naturräumlichen Hintergrund. Auch das Stadtbild, das bislang noch als ablesbare Teilräume erlebbar ist – auf der einen Seite Heilig-Blut mit seiner Wallfahrtskirche, Kaltwies und dem Beginn Rosenheims, auf der anderen Seite der Landschaftsraum der Kalten als Grünzäsur – wird ersetzt durch einen Bebauungsbrei. Der schon damals abzulehnende Eingriff durch die Situierung des „Panorama- Einkaufzentrums“ in die Auenlandschaft am Rand von Heilig- Blut wird fortgesetzt. Für das Stadtbild wichtige Freiräume werden ohne übergeordnete Planungsziele dem Flächenfraß geopfert.

Verkehrsproblematik

Massive Bedenken bestehen ferner hinsichtlich der geplanten Erschließungsstraße parallel zur „Panorama-Kreuzung“. Das geplante Einkaufszentrum ist wegen der Belastung der Kreuzung nur über die Happinger Straße oder als Einfahrt über die Kufsteiner Straße von Süden her erreichbar. Ersteres führt zu erheblichem Anschwellen des Verkehrs (ca. 3500 zusätzliche KFZ/Tag durch das Einkaufszentrum in der eh schon stark befahrenen Happinger Straße), Zweiteres zeigt die eigentliche Ausrichtung des Einkaufzentrums zu überörtlichen Nutzern und nicht die Orientierung als Nahversorgung des Quartiers Kaltwies und Happing. Die Erschließung des Einkaufszentrums an diesem verkehrlichen Brennpunkt ist nur mit „Klimmzügen“ einer angepassten Ampelsteuerung lösbar und lässt schon jetzt keinen Spielraum mehr für die allgemein prognostizierten weiteren Verkehrszunahmen erkennen. Überdies bedarf die Ampelsteuerung einer weiteren Überarbeitung und ist folglich daher nicht einmal gesichert. Es ist offensichtlich, dass die durch das Vorhaben ausgelösten Verkehrsströme diesen Verkehrsknoten überfrachten. Warum die Stadtplanung an dieser Stelle dem Interesse des Vorhabensträgers folgen soll, ist in keiner Weise nachvollziehbar.

Die Nutzung des Geländes als Einkaufzentrum, als Magnet für den damit induzierten Verkehr, widerspricht den Zielen der Verkehrsvermeidung und somit langfristigen Zielen wie der Energiewende. Zudem steht sie im Widerspruch einer dem Namen entsprechenden realen „Nahversorgung“ bezogen auf das angrenzende Quartier, weiterhin dem Erhalt der Heimat, pfleglichen Umgangs mit der Natur und des Stadtbildes und ist folglich abzulehnen.

Resümée

Insgesamt ergibt sich der nicht neue Eindruck, dass fallweise, nach externen Wünschen und Gelegenheiten und nicht nach einem langfristigen Gesamtkonzept geplant wird. Es ist überaus bedauerlich, dass nirgendwo auf das künftige Stadtentwicklungskonzept Bezug genommen wird. Warum ist ein Stadtentwicklungskonzept überhaupt in Arbeit, wenn selbst größere Flächen wie die Baywa-Wiese ohne Rücksicht darauf überplant werden?

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Panoramakreuzung – Ausweitung Gewerbegebiet Isoplus

September 2013

39. Änderung des Flächennutzungsplanes „Heilig Blut Nord“

Stellungnahme zur frühzeitigen Beteiligung

Wir sind der Meinung, dass eine an sich schon falsche Entwicklung in der Vergangenheit nicht fortgeführt werden sollte. Es war schon damals falsch entgegen dem Flächennutzungsplan eine Bebauung im sensiblen Bereich der Kaltenaue zu entwickeln und in einem bislang reinen Wohngebiet eine Gewerbeansiedlung zuzulassen. Auch die Erweiterung des Gewerbes durch ein 2. Gebäude in der gleichen Dimension wie das erste zeigte schon die negativen Auswirkungen auf die Aue und die Stadtentwicklung. Von Anfang an war zudem schon bekannt, dass hier keine Erweiterungsmöglichkeit eines Betriebs bestand.

Wir sehen aus städtebaulicher Sicht keine Begründung für diese Planung:

–          Das neue Mischgebiet stellt für das umliegende Reine Wohngebiet eine Verschlechterung dar und wird nur durch die singuläre Gewerbeansiedlung verursacht.

–          Die Kaltenaue wird auf das Minimalmaß begrenzt und eine Entwicklung von größeren Retentions- und Rückhalteflächen bei Hochwasser wird unmöglich gemacht.

–          Ein Lagergebäude, wie in der Planung vorgesehen, zieht vermutlich zusätzlichen Schwerverkehr in das gerade durch die Spange Panorama- Schwaig verkehrsberuhigte Wohngebiet.

–          Die Grünzäsur wird wieder einmal mehr durch ein Einzelinteresse hintangestellt

–          Die Entwicklung der Landschaft und der Natur wird geschwächt. Vorhandene Biotope werden nicht weiterentwickelt, wertvolle, im Entstehen befindliche Strauch- und Gehölzstrukturen werden vernichtet.

 

Wir plädieren für eine nachhaltige Stadtentwicklung, die sich an übergeordneten Zielen orientiert. Diese sollen gerade im Stadtentwicklungskonzept erarbeitet und vertieft werden. Die Planung soll nicht am objektbezogenen Einzelinteresse ausgerichtet sein.

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Bahnhof Rosenheim

Bahnhof – Bahngelände Nord

Aktueller Planungsstand (frühzeitige Bürgerbeteiligung Dez.2012)

Erstmals nennt die Stadtverwaltung einen konkreten Zeitplan für die bauliche Entwicklung am Bahnhof. 2016 könnte demnach Baubeginn zwischen Bahnhof und Brückenberg sein. Für die einzelnen Baufelder auf dem „Bahngelände Nord“ werden die Planungen Schritt für Schritt verfeinert. Schräg über die Gleise soll ein Fußgänger- und Fahrradsteg führen.

Am Brückenberg und an dem neuen Rad und Fußgängersteg sollen 8-geschossige Hochhäuser der ansonsten auf 4 Geschosse begrenzten Bauwerke entstehen.

Als Zielgröße für die Neuansiedelung im Bereich Handel werden bis zu 10000 Quadratmeter Verkaufsfläche vorgesehen.
Grundsätzlich keine Tankstellen und Bordelle. Diskotheken, Musiklokale und Veranstaltungsstätten sind vorstellbar.

Baufeld 1 und 2:
Öffentlicher Personennahverkehr (regionaler Busbahnhof), Parken, Dienstleistungen,
Hotellerie, Gastronomie, Ärzte, Gesundheit sowie auf Baufeld 2 ergänzender kleinteiliger
Einzelhandel bis zu insgesamt 800 Quadratmetern.

Baufeld 3:
Handelsstandort in Verbindung mit Bildungs- und Dienstleistungsnutzung. Bis zu 6000
Quadratmeter Verkaufsfläche möglich. Parken gemeinschaftlich in Parkdecks ab dem
zweiten Obergeschoss. Auch gastronomische Nutzung im Außenbereich.

Baufeld 4:
Nicht innenstadtrelevanter Handel (Nahversorgung für das Quartier), Dienstleistungen
(Büro) und sonstiges Gewerbe.

Baufeld 5:
Handelssortimente, die Kunden mit dem Auto transportieren müssen, der Bereich
„Zweirad“ ist ins Auge gefasst; Dienstleisttungen und sonstiges Gewerbe.
Auf Baufeld 3,4 und 5 auch einzelnde Standorte für moderne Lebensmittelanbieter
denkbar (Vollsortiment und Spezialisten wie Bio-Lebensmittelbetrieb).

 

25.01.2013

Stellungnahme zur frühzeitigen Beteiligung

Stadtverwaltung und Stadtrat sind zu beglückwünschen, dass das Gelände in zähen Verhandlungen in städtischen Besitz gebracht werden konnte – und das wohl zu einem günstigen Preis. Das ergibt großen Gestaltungsspielraum, zugleich aber auch die Verpflichtung, diese Chancen optimal zu nutzen. Die Stadt hat mittlerweile 9 Jahre daran gearbeitet, in die jetzige komfortable Planungssituation zu kommen und sollte daher die Umsetzung sorgfältig und ohne unnötigen Zeitdruck definieren. Die Bebauung der einzelnen Baufelder wird sich über einen längeren Zeitraum erstrecken, dabei sollten sich die Nutzungen an langfristigen Zielen der Stadt orientieren und nicht an einer kurzfristigen Verwertung. Eine mittel- bis langfristige Realisierbarkeit sollte marktnah untersucht und entwickelt werden.

1.        Die Teilung der ehemaligen Bahnflächen in die Areale nördlich und südlich der Gleisanlagen ist nachvollziehbar. Jedoch ist zumindest grob zu umreißen, welche Funktionen die beiden Teilflächen haben sollen und wie hierbei direkte Funktionsbeziehungen integriert werden können. Welche Planungsziele werden durch die bestehende Bahnunterführung und dem geplanten Steg in der Verlängerung der Münchner Straße gesetzt? Auch gehört hierzu die Festlegung, welche Flächen für eine Frischluftschneise bzw. einer innerstädtischen Grünfläche längs der Bahngleise, in welchem Umfang und auf welcher Seite reserviert werden sollen.

2.        Für den jetzigen Planungsprozess dürfte die Frage von zentraler Bedeutung sein, welche Funktionen das Areal nördlich der Bahnanlagen erstens für die Stadt, zweitens für angrenzende Stadtteile (nördlich, aber auch südlich) und drittens für die Region haben kann. Dazu wäre es naheliegend, die Planung für diese Flächen in das Stadtentwicklungskonzept einzubeziehen.

a.        Die Einbindung in das Stadtentwicklungskonzept ist nicht geschehen und als grundlegender Schwachpunkt der vorliegenden Planung zu bewerten.

b.        Die Frage nach den möglichen Funktionen der Flächen für Stadt, Stadtteile und Region ist gestellt, kann aber aus unserer Sicht (v.a. wegen des fehlenden Bezugs zum Stadtentwicklungskonzept) derzeit nur unzureichend beantwortet werden. Die Verkehrsfunktion findet die angemessene Berücksichtigung. Für die Flächen westlich der Einmündung der Münchner Straße sind allerdings Bezüge zu Stadt und Stadtteilen eher zufällig und z.T. schädlich (dazu s.u.). Außerdem wären östlich des Bahnhofsvorplatzes mögliche Bezüge und Synergien mit dem ehemaligen Post-Gelände  zu prüfen.

c.        Wegen der fehlenden Einbindung in das Stadtentwicklungskonzept droht die Planung  in den Sog anderer Bewertungs- und Entscheidungskriterien zu geraten: Ein möglichst hoher Verkaufswert der Flächen kann so für die Stadtvertreter allzu leicht zum obersten Kriterium werden und sich mit den Interessen privater Investoren an den Flächen treffen.

d.        Die unter b) und c) angeschnittenen Punkte manifestieren sich in der Ansiedlung weiteren Einzelhandels mangels überzeugender anderer Nutzungen. Es sei darauf hingewiesen, dass die für „verträglich“ gehaltenen Verkaufsflächen gegenüber 2004 – nicht ganz unerwartet – nach oben korrigiert werden. Zudem werden im Einzelhandelskonzept gerade die Sortimente Textil und Schuhe richtigerweise ausgeschlossen und die hier vorgeschlagenen verbleibenden Nutzungen sind an anderen Standorten überwiegend ausreichend etabliert (z.B. Zoo, Rad). Es besteht daher die Gefahr, dass für einen Verdrängungswettbewerb wertvolle städtische Flächen geopfert werden. Wichtig ist uns auch folgende Kritik:
1. Die vorgesehene Nutzung wird insbesondere die bestehende Nahversorgung in den angrenzenden Wohngebieten verdrängen und die Nahversorgungssituation für die betroffenen Bewohner verschlechtern. Hier teilen wir nicht die in den Erläuterungen geäußerte Ansicht, dass die Nahversorgung  im Nahbereich unzureichend ist (siehe Tengelmann und Norma in der Aventinstr., die im Gegensatz zu dem an den Gleisen geplanten Standort direkt im Wohngebiet liegen). Diese Nutzung würde unserer Ansicht im Bereich südlich der Bahn eine sinnvolle Ergänzung der Nahversorgung darstellen.
2. Flächenintensive Nutzungen wie ein Testgelände für Fahrräder o.ä. sind an einem so zentralen Standort Verschwendung von knappen Ressourcen und entsprechen nicht der Bedeutung der Lage
3. Ähnliches gilt für Fachmärkte mit hohem Flächenbedarf.
4. Die westlich der Münchner Straße vorgesehenen Nutzungen drohen zu (z.T. schädlichen) Fremdkörpern gegenüber ihrem städtischen Umfeld zu werden.

e.        Wir regen an auch Wohnnutzung in diesem Gebiet zu prüfen, um ein durchmischtes Stadtquartier zu bekommen, als auch die Lagegunst am Bahnknoten dazu auszunutzen.

f.          Wegen der für den ÖPNV günstigen Lage regen wir an, weiter nach Nutzungen zu suchen, die der zentralörtlichen Bedeutung Rosenheims angemessen sind. Vor allem im Bildungs-, Ausbildungs- und Weiterbildungsbereich können sich hier die nächsten Jahre noch zusätzliche Bedarfe ergeben.

3.        Die geplante Höhenentwicklung mit Hochhäusern als städtebaulichem Akzent sehen wir als Grundüberlegung nachvollziehbar, hier aber kritisch. Es befinden sich unmittelbar nördlich des Plangebiets eine Ansammlung von Hochhäusern (Landratsamt, Punktwohnhäuser in der Eidstr. und auch südlich markante „Hochpunkte“, wie die Kunstmühle und Kathrein) und zudem als historische und städtebauliche Dominante die Auer- Brauerei. Diese Anhäufung könnte die Wirksamkeit der neuen Hochhäuser im Sinne der Gesamtstadtbildes  in Frage stellen. Weiterhin und im Zusammenhang mit dem Vorgesagten muss auch nach einer der Bedeutung als städtebaulicher Akzent angemessenen Nutzung gefragt werden. Gibt es außer einer austauschbaren Büronutzung den Bedarf nach einer anderen, möglichst auch symbolisch bedeutsamen Nutzung? Ist am Übergang zur Innenstadt eine weitere Hochhausentwicklung gewünscht und der Stadt angemessen? Sind dies nicht Fragen, die im Zusammenhang mit den anderen Zielen im Rahmen des Stadtentwicklungskonzept beantwortet werden sollten?

Das Rosenheimer Forum für Städtebau und Umweltfragen plädiert dafür, die jetzige Planung westlich der Münchner Straße  zurückzustellen, allenfalls vorbereitende Untersuchungen zu tätigen und diese Flächen zusammen mit den südlichen ehemaligen Bahnflächen in die Überlegungen zum Stadtentwicklungskonzept einzubinden.

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(Nah-?) Versorgungszentrum Westerndorf

NVZ – ein Einkaufs- und Gewerbepark zwischen der FH und Westerndorf?

 

15.11.2012

Podiumsdiskussion im Rahmen der Reihe „Reden über Rosenheim“

Flyer zur Veranstaltung (pdf)

 

19.9.2012

Gründungsversammlung der Bürgerinitative „Interessensgemeinscvhaft Rosenheim-Nord“

Weitere Informationen darüber sind auf der Homepage zu finden:  www.kein-nvz.de

März 2012

Informationen zum geplanten Bebauungsplan entnehemen Sie bitte dem Flyer , der hier folgt

 

15.09.2011

Stellungnahme zur frühzeitigen Beteiligung

zum Bebaungsplan /Flächennutzungsplan

Wir lehnen die Bebauung der zu erhaltendenden grünen Siedlungszäsur und somit dieses Nahversorgungszentrums aus städtebaulichen, wie auch aus einzelhandelsstrukturellen Gründen entschieden ab. Die ablehnenden Argumentationen sind im parallelen Verfahren zur 22.Änderung des Flächennutzungsplans bereits ausführlich dargelegt. Wir verweisen daher ergänzend auch auf unser Schreiben vom 09.06.2011 und heben noch einmal besonders hervor:

Nach wie vor vermissen wir eine sachliche Begründung, mit der die Kehrtwendung des Stadtrats in der Behandlung dieses Einzelhandelsstandorts nachvollziehbar wäre.
Ohne stichhaltige Begründung der Notwendigkeit dieses Einzelhandelsstandorts ist nicht verständlich, weshalb die an Flächen arme Stadt Rosenheim hier mehrere Hektar „vernutzt“. Wenn tatsächlich ein zusätzlicher Bedarf an Nahversorgung besteht, so sollte er flächensparend an den vorhandenen Einzelhandelsstandorten angegliedert werden und noch besser  in der Ortsmitte Westerndorf gesucht werden.

Nach wie vor halten wir die Bezeichnung „Nahversorgungszentrum“ für beschwichtigend und beschönigend. Es handelt sich um großflächigen Einzelhandel (3.800 m² Verkaufsfläche plus Dienstleistungsflächen) in einer nicht integrierten Lage, der eindeutig auf autofahrende Kundschaft ausgerichtet und angewiesen ist.

Nach wie vor sehen wir die Gefährdung bestehender integrierter Einzelhandelsgeschäfte, selbst in dem mit öffentlichen Geldern geförderten Soziale-Stadt-Gebiet „Lessingstraße“.

Sollte das Einzelhandelsentwicklungskonzept der CIMA im Hinblick auf die Notwendigkeit eines Nahversorgungszentrums an dieser Nahtstelle als Begründung angeführt werden, so ist dieses Konzept in dem Punkt für uns nicht nachvollziehbar. Vor allem bleibt es den Nachweis schuldig, dass diese Einzelhandelsagglomeration nicht zulasten der vorhandenen, tatsächlich wohnortnahen Standorte geht. Die Auswirkungen neuen großflächigen Einzelhandels auf bestehende Nahversorgungszentren wären erst noch zu untersuchen, basierend z.B. auf einer nahversorgungsrelevanten Wabenstruktur.

Die Agglomeration von Discounter, Drogerie- und Lebensmittelmarkt ist aufgrund der Lagegunst an zwei Ausfallstraßen eindeutig und ausschließlich darauf ausgerichtet, gesamtstädtisch Kaufkraft abzuschöpfen. Die Verkehrsproblematik an dieser wichtigen Straßenkreuzung ist ungelöst und wird durch den zusätzlich ausgelösten Verkehr verschlimmert.

Somit bleibt auch aus diesen Gründen die Kehrtwende der Stadtplanung unverständlich und unbegründet, die zuletzt eine derartige Entwicklung fachlich entschieden abgelehnt hat.

Unsere Befürchtungen zur erheblichen Beeinträchtigung des Ortsbilds und der Landschaft  werden durch den vorgelegten Vorentwurf ebenfalls bestätigt. Das sogenannte „Nahversorgungszentrum“ zerstört die vorhanden Grünzäsur zwischen dem Kasernengelände der Bundespolizei, der FH und den Gewerbebieten im Süden einerseits und dem nördlich gelegenen Siedlungsgebiet von Westerndorf andererseits. Anstelle der Grünzäsur tritt ein Großparkplatz, der typischerweise ein derartiges Handelszentrum  begleitet. Inwieweit das den Ortsbeginn der Kernstadt Rosenheim und das Tor zur „Fachhochschulstadt“ Rosenheim zufriedenstellend symbolisieren soll, ist für uns nicht verständlich.

Zusätzlich geben wir zu bedenken, dass das Vorhaben weiteren öffentlichen Zielsetzungen widerspricht:

  • Im Baugesetzbuch wird die Sicherung einer „verbrauchernahen Versorgung“ gefordert. Das Vorhaben ist nicht verbrauchernah und widerspricht damit diesem Ziel des Gesetzes.
  • Nach dem Einzelhandelskonzept der Stadt Rosenheim stellen Nahversorgungsagglomerationen „für ein Quartier die Nahversorgung sicher und weisen Angebote im kurzfristigen Bedarfsbereich auf. Um innerörtliche Verkehre zu minimieren sollen diese Angebote nur wohnortnah angeboten werden“ ( Einzelhandelsentwicklungskonzept S. 9).
    Von Wohnortnähe kann nicht die Rede sein, und damit auch nicht von einer Minimierung der innerörtlichen Verkehre. Im Gegenteil werden die Verkehre notwendig zunehmen, insbesondere auch weil die im Norden bestehenden Einzelhandelsgeschäfte zwangsläufig verdrängt werden.
  • „Außerhalb der Standorte Innenstadt, AicherPark, Panorama-Kreuzung und der Ergänzungen bei wohnortnaher Grundversorgung sind für den Zeitraum der nächsten fünf bis sieben Jahre grundsätzlich keine zusätzlichen großflächigen Einzelhandelsansiedlungen an neuen Standorten vorzusehen.“ (EEK, S. 11)
    Offenbar ist das Einzelhandelsentwicklungskonzept in seiner steuernden Funktion das Papier nicht wert, auf dem es steht. Dies gilt jedenfalls, wenn in „Streulagen“ all das doch noch aus dem Ruder laufen darf, was eigentlich gesteuert werden sollte.

Wenn sich keine nachvollziehbare Begründung für das Vorhaben findet, dann fragt man sich, ob nicht auch noch gegen folgenden Grundsatz des Rosenheimer Einzelhandelsentwicklungskonzepts verstoßen wird:

„Das Rosenheimer Einzelhandelsentwicklungskonzept verfolgt städtebauliche Zielvorstellungen, ein Eingriff in den Wettbewerb zu Gunsten einzelner Betriebe findet nicht statt.“ (S. 11) Vielleicht geht es hier doch wieder einmal um Einzelinteressen des Investors und des Grundstückeigentümers.

 

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Stadtentwicklung

Stadtentwicklungskonzept Rosenheim 2025

Artikel in Kürze

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Einzelhandel

Einzelhandel und Nahversorgung in Rosenheim

 

Oktober 2011

Stadt Rosenheim_Einzelhandelsentwicklungskonzept Kurzfassung 2011 (Pdf- Datei)

 

März 2007

Positionspapier zum Einzelhandelsgutachten der CIMA / März 2007 (PDF-Datei)

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Westtangente

Westtangente

 

Die Rosenheimer Westtangente und ihre Folgen

Hier die Fakten:

1. Zur Situation

Wie aus den Medien zu entnehmen ist, hat nun die Bundesregierung in Berlin am Mittwoch, den 8. Februar 2012, grünes Licht für einen Baubeginn der Rosenheimer Westtangente gegeben. Die Euphorie ist unüberhörbar.
Der Ausbau dieser mit 23 Brücken einschließlich der 1,6 km langen Überbrückung des Aichergeländes von der Fürstätter bis zur Schwaiger Hangkante, einschließlich die Überwindung der 38 Biotope auf der über 11 km langen Strecke, ist ein enorm aufwändiges Unternehmen. Ob die Kostenschätzung von € 72 Mio. ausreicht, steht in den Sternen. Jedenfalls dreht es sich hier um das größte Straßenbauprojekt in der Geschichte Rosenheims.
Die lärmbelästigten Bürger an der zur Zeit noch bestehenden B-15- Einfahrtstraße durch die Stadt, dürfen auf eine Abänderung hoffen. Doch wie sieht diese Abänderung aus und wie sind ihre Folgen? Der Auftrag der Bundesrepublik lautet vorrangig, mit dieser Erstellung der B-15- Westtangente den überörtlichen Verkehr von Nord nach Süd, also von Regensburg- Landshut an Rosenheim vorbei fließend, zu gewährleisten. Wie wir wissen, sind 3 Auf- und Abfahrtsstraßen geplant, die von
Bedeutung sind. Welche Vor- und Nachteile bringen diese für unseren städtischen Verkehr?

2. Fragwürdige Verkehrsmaßnahmen

Wie schon von der Planungsseite deutlich zu hören war, bringt diese Westtangente für Rosenheim keine wesentliche Entlastung. Der von der Stadt beauftragte  Verkehrsexperte Professor Harald Kurzak machte vor gut zwei Jahren darauf aufmerksam, dass es vor allem im Norden neben einer Entlastung gerade wegen der besseren Anbindung über die Westtangente an die Autobahn zu erheblichen Mehrbelastungen kommen wird. Zu früheren Bedenken, mit den beiden so nahe liegenden Auf- und Abfahrtsschleifen im Aicherparkgebiet ein Stauzentrum geradezu vorzuprogrammieren, erinnerte Kurzak (wenig überzeugend) an die jeweils geplanten Einfädelspuren von 40 m Länge. Man stelle sich in diesem riesigen Gewerbepark Sattelschlepper oder gar Gigaliner vor einer B-15- Einfahrt vor, die den gewünschten fließenden Verkehr sehr schnell zum Erliegen bringen. Da das gesamte Gebiet um den Aicherpark schon heute ein großes Verkehrsaufkommen aufweist, werden diese beiden erwähnten Anschlüsse über die B-15 zur Autobahn zu den stauneuralgischsten Punkten auf der gesamten Bundesstraße 15 gehören. Die Folge für den  Rosenheimer Westen sind fatal.
Wenn nun der erste Bauabschnitt von der Autobahn bis zum Briefverteilerzentrum an der Staatsstraße 2078 verwirklicht wird, dann hat die Post das
bekommen, was ihr versprochen worden ist: Eine Anbindung an die Autobahn (vielleicht ohne Stau). Umgekehrt funktioniert dieser Zubringer
geradezu nur belastend für den Verkehr zwischen Schwaiger Kreisel und Kolbermoor. Eine dort nötige Ampelanlage bringt den Verkehr zu den
Stoßzeiten immer wieder zum Erliegen.

3. Die großen Opfer Rosenheims für die Westumgehung

Im Jahre 2000 hat das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft- und Forsten einen Waldfunktionsplan für die gesamte Region Rosenheim erstellt, in dem der Fürstätter Wald für unsere Stadt als Klimaschutzwald die höchste Güte aufweist. Im Zusammenhang mit dem Bau der Umgehungsstraße wird auf der gesamten Trassenlänge von der Autobahn bis Pfaffenhofen ein 30 m autobahnbreiter Arbeitsstreifen durch Wald und Wiesen und Biotope bereitgestellt. Mit diesem Streifen mitten
durch den Fürstätter Wald wird die für Rosenheim im Westen bedeutende Klimafunktion und somit die Frischluftzufuhr mit einem Schlag zunichte gemacht.
Und mit diesem Streich werden gleichzeitig das Rosenheimer Naherholungsgebiet auf der gesamten westlichen Länge geopfert. Im Zusammenhang mit dem Planungsauftrag hat man von „Abwägen“ gehört – von einem ernsthaften alternativen Erholungskonzept ist bis heute nichts zu sehen.
Mittels dem doppelten neuralgischen Verkehrsknotenpunkt im Aicherpark staut sich die Autoschlange gerade dort, wo man diese nie haben wollte –
nämlich von Norden kommend im „Fürstätter Wald“ (das Klima vollends zunichte machend) und von Süden kommend in der Senke der landschaftsgeschützten Kaltenaue bei Westerndorf am Wasen.

4. Verbesserungsvorschläge zur Verkehrslage

Wenn es darum geht, Rosenheim vom belastenden Verkehr zu befreien, dann sind die Wege zu diesem Ziel entscheidend. Die Westumgehung kann es nicht sein, das Elektroauto ist nur eine kleine Begleiterscheinung. Was wir brauchen sind politische Entscheidungen, verkehrsreduzierende Maßnahmen, die aus dem Umdenken heraus eine deutliche Wende in unserem Tun und Handeln herbeiführen. Das Parkplatzangebot in der Stadt muss wesentlich reduziert und das Parken teurer werden. Straßen- und Brückenbau muss sich auf das Notwendigste konzentrieren. Die dadurch eingesparten Mittel fließen in einen moderneren öffentlichen Nahverkehr
mit überregional durchdachten Konzept, d.h. auch mit günstigsten Fahrtkosten für den Bürger. Der Trend, dass wer Straßen sät, Verkehr
erntet, hat sich leider unerfreulich bewahrheitet und muss in „neue Bahnen“ geleitet werden.
Für die betroffenen Anlieger an der vorhandenen B-15 von Pfaffenhofen über Westerndorf St. Peter durch Rosenheim hätte schon lange ein Durchfahrtsverbot für Schwerlastverkehr politisch durchgesetzt werden müssen. Brummis gehören auf die Autobahn.

5. Fazit

Man kann den Bürger heute nicht mehr mit fadenscheinigen Verkehrslösungen locken und mit Argumenten des ewigen Wirtschaftswachstums neue Gewerbe- Ballungszentren servieren und gleichzeitig geradezu naturfeindlich unverantwortlich Landschaftsverbrauch betreiben. Landschaftsschutz, Naherholung, Klimaschutz und lebenswichtige Frischluftzufuhr werden leichtfertig (und vielleicht sogar aus Unwissenheit) unwiederbringlich geopfert. Man merkt, dass der Bürger über die Realität dieses Bauvorhabens „Westtangente“ nicht viel weiß und die Politiker im Grunde nicht mehr wissen. Die vertröstenden Auskünfte, dass Panorama- Schwaig erst
funktioniert, wenn die Westumgehung gebaut ist, und diese wiederum Rosenheim erst wirklich entlastet, wenn es eine dritte Innbrücke , also eine Ostumgehung gibt, sind nicht vertrauenswürdig.

Da es sich hier um eine Bundesstraße handelt, kommt für die Kosten der Bund auf. In der gesamten Planungsphase hat sich die Stadt Rosenheim im Stillschweigen geübt, um dieses Geschenk nicht zu gefährden. Die be- und entlastenden Prognosen der geplanten Westumgehung müssen von den Verkehrsexperten bis ins Detail offen gelegt werden. Der Bürger hat das Recht, reinen Wein eingeschenkt zu bekommen.

Inzwischen erfolgte der Baubeginn des 1.Bauabschnitts

Gegen den Planfeststellungsbeschluss lagen 27 Klagen vor. Im September 2007 hatte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof zwei Besichtigungstage angesetzt, um sich vor Ort ein Bild zu machen und die Einwände der Betroffenen persönlich anzuhören.Für den 24./25 September 2008 im Verwaltungsgericht München die mündliche Verhandlung anberaumt.

Nachdem die Planung einer B-15-neu (Regensburg – Landshut über Ellmosen zur Autobahn A8) um 1990 zugunsten eines Ausbaus des alten B 15 mit gezielten Ortsumgehungen zurückgestellt wurde (nicht aufgegeben!!), begann die Suche nach einer neuen Verkehrslösung im Raum Rosenheim. Treibende Kräfte sind neben den wirtschaftlichen Interessen der stetig zunehmende Verkehr in Stadt und Land (mit Ziel- und Quellverkehr) sowie der überregional wachsende Fernverkehr, vor allem die „rollende Landstraße“ samt Mautflüchtlingen.
Dabei geht es im Wesentlichen um den Ausbau der Zubringerstraße zur Autobahn und einen Verkehrsring um Rosenheim in drei Etappen:

1. Panorama – Schwaig
2. B15 – Westtangente (Autobahn – Aicherpark – Öllerschlößl – Pfaffenhofen)
3. und als Vollendung des Ringes die Erweiterung der Ostumgehung von Schloßberg über eine dritte Innbrücke nach Pfaffenhofen.

Nachdem die stets noch fortschrittsgläubige Gesellschaft im Trend der alten Lösungen die Probleme bis heute immer nur vor sich hergeschoben hat, ist teilweise ein Umdenken erkennbar. Für viele Verkehrsplaner ist die Zeit gekommen, beispielsweise den quer- und alternativ denkenden Experten am Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik der TU Wien, Professor Hermann Knoflacher, ins Boot zu holen.
Vor 20 Jahren hat man Gutachterexperten ausgelacht, die vor massiven herkömmlichen Straßenbaulösungen und wachsenden Problemen gewarnt und darauf hingewiesen haben, dass nur verkehrsberuhigende Maßnahmen gepaart mit einem öffentlichen Nahverkehrskonzept greifen. Der Fernverkehr müsse weitläufig über die Autobahnen gelenkt werden.
Die Verantwortlichen in der Stadt Rosenheim sind mehrheitlich jedoch nicht einmal bereit, sich mit der seit 15 Jahren aktiven Interessensgemeinschaft RoRegio auf eine ernsthafte Diskussion einzulassen.

Wenn man an die betroffenen Anlieger in der Stadt denkt, möchte man ihnen schnellstmöglich den Straßenring wünschen, wenn dieser nur die Lösung aller Probleme wäre.
Sichtbares Zeichen einer Sackgasse jedoch ist inzwischen die Tatsache, dass die fertiggestellte Südspange Panorama – Schwaig nicht nur in den Stoßzeiten in einen höchst staugefährdeten Engpass nach und über Kolbermoor hinaus führt.

Von dem ernormen Eingriff in die Natur und dem nicht mehr gut zu machenden Schaden sprechen nur Wenige:
Das oft erwähnte einmalige Schutzgebiet der Kaltenaue im Süden Rosenheims bei Westerndorf am Wasen wird von der Autobahn her über dem Höhenzug bei Stocka in Richtung Schlipfham und Pösling über ca. 1,2 km Länge in einer Aufschüttungshöhe bis zu 5 m geradewegs durchschnitten und zerstört.
Im Waldfunktionsplan von 2000, hat das Forstamt in der gesamten Region alleine den Fürstätter Wald in seiner Klima- und Naherholungsfunktion als besonders schützenswert dargestellt. Mit dem Bau der B15 mitten durch dieses Gebiet wird genau diese zerstört. Mehrere schützenswerte Kerbtäler werden durchschnitten und verrohrt, 39 amtlich kartierte Biotope werden zerschnitten oder überquert.
Die Trasse kann von Fußgängern und Radfahrern nur noch durch Über- oder Unterführungen gequert werden.

Darf so eine für Mensch und Tier wertvolle Landschaft, die unsere Lebensgrundlage darstellt, für ein derartig fragwürdiges und absehbar nicht nachhaltiges Projekt unwiederbringlich geopfert werden?

Ausschnitt Planung Brücke über den Aicherpark
(Stand Planfeststellug ca 2000)

die Pläne (der jetzige Stand kann davon abweichen)
können als PDF heruntergeladen werden

Ein paar Daten

– geschätzte Kosten 70Mio € (2003) ohne Grunderwerb
– Flächenbedarf ca. 40ha
– Baulänge ca. 12km (Abschnitt Süd 5km – Abschnitt Nord 7km)
– Brückenbauwerke 21, davon 1 Grossbrücke über das Aichergelände (600m lang, bis 6m hoch aufgeböscht, Fahrbahnbreite 8m, mit bis zu 3m hohen Lärmschutzwänden)
– 17 Durchlässe für Bäche und Gräben
– Rodung von 5ha Wald (Naherholungsgebiete von Rosenheim, u.a. Keferwald, Ferdinand-Schlögl-Weg wird unwiederbringlich zerstört)
– Zerschneidung und Querung von 39 amtlich kartierten Biotopen
– Zerstörung der Naturlandschaft für Tiere und Menschen.
– Trasse kann von Fussgängern und Radfahrern nur noch durch Über- oder Unterführung gequert werden.
– Starke Belastung durch Lärm und Abgase über weite Distanzen (insb. wegen der Höhenlage !!)

Auszug der Stellungsnahme des Rosenheimer Forums zum Planfeststellungsverfahren vom 02.03.2001:

……. Das Problem des motorisierten Individualverkehrs im Verdichtungsraum Rosenheim / Mangfalltal entsteht hauptsächlich aus Ziel- und Quellverkehr innerhalb der Gemeinden sowie aus Binnenverkehr in Ermangelung eines vernünftigen ÖPNV-Systems. Das motorisierte Verkehrsaufkommen in der Stadt Rosenheim besteht zu einem erheblichen Anteil aus Strecken, die unter fünf Kilometer Länge betragen. Der Durchgangsverkehr in Nord-Süd-Richtung hat am Gesamtverkehrsaufkommen nur einen geringen Anteil.
Die prognostizierten Entlastungen der Westtangente werden innerhalb der Stadt Rosenheim nicht eintreten.
Es ist vielmehr mit einer Zunahme des weiträumigen LKW-Verkehrs zu rechnen, der die Anbindung der B 15 an die Autobahn als Umfahrung von München im internationalen Nord-Süd-Verkehr benutzen wird.
Mit dem Versprechen, die Stadt und den Raum Rosenheim von seiner hausgemachten Verkehrsmisere zu befreien, wird in Wirklichkeit das Ziel verfolgt, die B 15 in einer Weise an das Autobahnnetz anzubinden, die der Gesamtfunktion der B 15 als weiträumiger europäischer Straßenverbindung dienen soll. Die Funktion als Entlastungsstraße für Rosenheim ist angesichts der im Auslegungsverfahren veröffentlichten Verkehrberechnungen und –prognosen nicht erkennbar und wird bezweifelt. …….

Leserbrief – Mangfall Bote 21. 12. 2007

„Verkehr als Dauerbrenner“
Verkehrschaos vorprogrammiert

„Wer Straßen sähet wird Verkehr ernten“ dieses Sprichwort hat sich bisher immer bestätigt. Auf der Staatsstraße von Rosenheim nach Bad Aibling sieht man deutlich die Verkehrszunahme durch die Südumgehung Rosenheim und Bad Aibling. Dazu dann noch neue Gewerbegebiete in Kolbermoor und niemand braucht sich über Staus zu wundern. Die Rosenheimer Westumgehung, Bürgermeister Kloo spricht von der B15 West, als Entlastung für die Kolbermoorer Verkehrssituation darzustellen, ist wohl mehr als nur „blauäugig“. Allein die geplanten zwei Anschlussrampen zum 600 m langen Brückenbauwerk im Aichergelände und die mit den Einschleiframpen an der Staatsstraße neu entstehende Kreuzung im Bereich des Briefverteilungszentrums, werden eine schon jetzt vorhersehbare Belastung für das Kolbermoorer Straßennetz bringen. So würde die Westumgehung Rosenheim nicht nur unsere Landschaft und Naherholungsgebiete zerstören, sondern das Verkehrschaos endgültig perfekt machen.

Gertrud Helbich (Bund Naturschutz Kolbermoor)

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